Baukredit

Für den klassischen Baukredit gibt es noch ein paar andere Bezeichnungen, wie zum Beispiel Baudarlehen, Immobiliendarlehen oder Baufinanzierung. Dabei muss es nicht zwangsläufig um ein Darlehen für einen Neubau handeln, auch wenn eine Bestandsimmobilie aufgekauft wird, spricht man von einem Baukredit. Für jede Immobilie ist eine Finanzierung notwendig, jedoch muss ein Baukredit für einen Neubau andere Kriterien erfüllen, als wenn er für eine vorhandene Immobilie verwendet wird.

Der Unterschied zwischen einem Immobilienkredit und einem Baudarlehen

Ein Immobiliendarlehen wird in einem Betrag sofort ausbezahlt, denn schließlich muss der Kaufpreis für eine Bestandsimmobilie auch gleich beglichen werden. Ganz anderes ist dies bei einem Baukredit, dieser wird in mehreren Teilbeträgen ausbezahlt, denn Zahlungen werden immer dann fällig, wenn ein Bauabschnitt abgeschlossen wurde. Zahlungen erfolgen dann zum Beispiel, wenn der Trockenbau erledigt ist, oder wenn das Dach fertiggestellt wurde. Die einzelnen Teilbeträge werden dann immer exakt den aktuellen Rechnungen angepasst. Kommt es während des Hausbaus zu Verzögerungen, kommt es auch nicht zu einer Auszahlung, erst wenn Leistungen komplett erbracht wurden. Bei einem Baudarlehen werden die Zahlungen also ganz genau an den Zahlungsplan gemäß des Bauvertrags angepasst.

Auf diese Punkte ist beim Baukredit besonders zu achten

Wenn es um den Abschluss eines Baukredits geht, sollten Verbraucher die Augen aufhalten, verschiedene Angebote vergleichen und vor allem die folgenden Kriterien berücksichtigen.

Bereitstellungszeit sollte nicht mit Kosten verbunden sein

Die Planungen für den Hausbau beginnen schon lange vor dem eigentlichen Baubeginn, entsprechend muss auch die Finanzierung frühzeitig unter Dach und Fach sein. Somit muss die Bank den beantragten Baukredit schon einige Zeit für den Kunden bereit halten, auch wenn das Geld erst später benötigt wird, man spricht dann von der so genannten Bereitstellungszeit. Innerhalb dieses Zeitraums sollten noch keine Zinsen für das Darlehen anfallen. Mit der Bank kann eine Bereitstellungszeit zwischen sechs und zwölf Monaten vereinbart werden. Sollte sich der Abschluss des ersten Bauabschnitts verzögern, und somit die erste Teilzahlung später ausbezahlt werden, fallen Bereitstellungszinsen an, die in der Regel bei monatlich 0,25 Prozent liegen.

Diese kostenfreie Bereitstellung ist extrem wichtig, denn das Geld für den Hausbau sollte schon beim Vertragsabschluss zur Verfügung stehen, damit die Finanzierung sicher gewährleistet ist. Bis zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts können mitunter Monate vergehen. Müsste der Bauherr dann schon Zinsen zahlen, wäre das eine riesige Mehrbelastung. Schließlich hat er noch monatliche Kosten für sein bisheriges Domizil sowie die Zinsen für den Neubau zu stemmen.

Berücksichtigung der Bauträger- und Maklerverordnung

Durch die Makler- und Bauträgerverordnung, kurz MaBV, wird festgelegt, wann Teilbeträge für die einzelnen Bauabschnitte ausbezahlt werden sollen. Darauf basieren dann letztendlich auch der Vertrag für den Baukredit und der mit dem Bauunternehmen. Dies dient auch der Gewährleistung, dass die Abrufintervalle der Beträge exakt auf die Bauabschnitte abgestimmt sind. Gäbe es diese Regelung nicht, könnte das für den Bauherrn negative Auswirkungen haben. Angenommen, die Anzahl der Bauabschnitte würde die Abrufe übersteigen, wäre eine Zwischenfinanzierung notwendig, so dass die Gesamtkosten wesentlich höher wären.

Bankbürgschaft zur Absicherung

Es ist leider nicht auszuschließen, dass die beauftragte Baufirma während des Hausbaus Insolvenz anmelden muss. Kann das Unternehmen Leistungen oder Material nicht zahlen, so kann es vorkommen, dass die Zulieferer Bauteile wieder demontieren. In diesem Moment ist ein großer Teil des Darlehens bereits vom Bauherren aufgebraucht worden, so dass die Fertigstellung des Baus in Gefahr ist. Ist es nun zur Pleite der Baufirma gekommen, werden die schon getätigten Zahlungen zur Insolvenzmasse gerechnet. Aus diesem Grund kann nicht garantiert werden, dass der Kunde wieder Geld zurück bekommt. Um dieses Risiko auszuschließen, sollte man unbedingt an eine Bankbürgschaft denken. Die Baufirma muss diese bei ihrer Bank einholen, wird sie nicht gewährt, so kann man davon ausgehen, dass die Bonität wohl nicht die beste ist.

Kosten für Extras unbedingt sorgfältig kalkulieren

Falls auch Extras mit in die Finanzierung einfließen sollen, wie zum Beispiel die Außenanlage, müssen die Kosten dafür möglichst exakt eingeschätzt werden. Ist die Kalkulation fehlerhaft, entstehen in der Regel zusätzliche Kosten, die unter Umständen sehr hoch sein können. Wird eine Nachfinanzierung notwendig, muss man mit viel höheren Zinsen rechnen. Doch auch eine zu großzügige Kalkulation wirkt sich nachteilig aus. Wird der komplette Darlehensbetrag nicht benötigt, muss eine so genannte Nichtabnahmeentschädigung an die Bank gezahlt werden, was etwa zwei Prozent der Gesamtsumme ausmacht.

Welche Extras können mitfinanziert werden?

Im Gegensatz zum Darlehen für einer Bestandsimmobilie, kann mit Hilfe eines Baukredits nicht nur die eigentliche Immobilie finanziert werden, sondern zusätzlich auch einige Extras. Dazu können unter anderem eine Gartenanlage, eine Garage oder ein Carport zählen. Grundsätzlich kann alles mit in das Baudarlehen einfließen, was zum Grundstück gehört und fest verbaut ist. Diese Möglichkeit sollte unbedingt bedacht werden, denn es bleibt mehr Eigenkapital übrig, wenn der Baukredit diese Kosten abdeckt. Auch wenn der Gesamtkreditbetrag dann höher ausfällt, bekommt man von der Bank einen besseren Zinssatz, da man mehr Eigenkapital zur Verfügung hat. Nicht mitfinanzieren lassen sich hingegen Dinge, die man auch bei einem Auszug mitnehmen kann, wie zum Beispiel Mobiliar oder die Einbauküche.

Eine optimale Finanzierung ist das A und O

Wenn es um den Hausbau geht, müssen die Finanzen also sorgfältig kalkuliert werden, damit es später nicht zu bösen Überraschungen kommt. Besonders hilfreich sind zu diesem Zweck spezielle Baukreditrechner, die man auf diversen Internetseiten findet. Wichtig ist, dass das zur Verfügung stehende Eigenkapital bestmöglich eingesetzt wird. Grundsätzlich sollte dieses so hoch sein, dass man 20 Prozent des Gesamtpreises aus eigener Tasche bezahlen kann. Nur wenn dies gewährleistet ist, muss man sich finanziell absolut keine Sorgen machen.

Natürlich ist heutzutage ein Hausbau auch ganz ohne Eigenkapital möglich, jedoch muss man dann ein hohes Risiko in Kauf nehmen. Nur wenn die Bonität ausgezeichnet ist, wird in diesem Fall überhaupt ein Baukredit gewährt. Darüber hinaus sollte es sich um eine sehr gute Wohnlage handeln und die Immobilie im Top-Zustand sein, dann ist die Bank zu Zugeständnissen bei der Finanzierung bereit. Bauherren sollten immer an einen gewissen finanziellen Puffer denken, der etwa 5.000 bis 10.000 Euro betragen sollte. Um Teilbeträge für Extras bei der Bank zu erhalten, müssen die entsprechenden Rechnungen vorgelegt werden. Aufgrund von möglichen Verzögerungen bei der Auszahlung kann es notwendig sein, dass der Kunde zunächst in Vorleistung gehen muss und erst später das Geld von der Bank erstattet bekommt.